SERGEJ SAMOCHWALOW: Etang de GUERMOUCHE

 

ETANG DE GUERMOUCHE

 





































Für Ende April plante ich schon etwas länger einen Trip an ein für mich unbekanntes Gewässer in Frankreich, den Etang de Guermouche.  Doch mit den eigentlichen Vorbereitungen zu diesem Wochenende sollte ich erst wenige Stunden vorher kommen. So hetzte ich mich den letzten Tag auf der Arbeit als wäre der Teufel hinter mir her und fuhr auf direktem Weg nach Hause um meine Sachen zu packen damit es in den frühen Morgenstunden auch direkt losgehen kann. Pünktlich um 6:00 Uhr klingelt der Wecker, ich verabschiede mich kurz von meiner liebsten und spule das morgendliche Ritual noch recht verschlafen ab. Badezimmer, Duschen & Co. Ab in die Küche, Kaffee in die Thermotasse drücken, der Griff zum Schlüsselbund, Handy und Geldbeutel. Nun direkt ins Auto.  Eineinhalb Stunden fahrt bieten genügend Zeit um richtig Wach zu werden und als meine Kaffeetasse leer war und 2 Zigaretten geraucht waren konnte ich es nicht mehr abwarten endlich anzukommen. 

Die Plätze am See wurden verlost und ich landete auf Platz 2. Dort mit meinem Tackle niedergelassen erkundete ich den Gewässerboden in einer angenehmen Wurfweite. Oftmals liegt ein guter Spod gar nicht so weit draußen wie mancher denkt.  Gelassen und ruhig lotete ich und fand schon nach kurzer Zeit einen Platz der mir zusagte. Etwa 80 Meter geradeaus, fester Boden und eine Tiefe von ca. 1,2m. So mag ich es und war zuversichtlich auf diesem Spod einen Fisch zu haken.  Für die 2 Rute kam das Ufer an der anderen Seite genau richtig. Dort waren es direkt nach dem Ufer geschätzte 2m Tief und stieg dann durch eine Stufe wieder auf 1,3m. Eine gute „Rinne“.  Rute Nummer 3 fischte ich sehr kurz,  nicht einmal 20m entfernt vom Bissanzeiger.  Als meine Montagen alle bereit lagen war es Zeit die Plätze mit Futter zu bestücken. Etwa 3kg Spodmix und 2 kg Boilies verteilte ich gleichmäßig.  Zufrieden mit der Platzierung meiner Montagen und voller Zuversicht machte ich mich daran mein Camp einzurichten. 

Walli, mein Angelkumpel mit dem ich sehr oft unterwegs bin hatte das Glück Platz 3 zu ziehen. Ich half ihm noch etwas bei seinem Camp Aufbau und natürlich unterhielten wir uns über das was wohl hoffentlich noch kommen mag. Am frühen Abend war es dann auch schon so weit. Die Bilddaten meiner Kamera zeigten an 17:32 als wir den 1. Fisch fotografierten. Die Rute welche ich am anderen Ufer platziert hatte lag für einen Bartelträger von 7,5kg wohl genau richtig. Zwischen Fisch 2 auf dieser Rute lag nur ein kurzes Abendessen. Etwas enttäuscht vom Gewicht welches gerade mal an 3kg kam war es dennoch ein Indikator dafür dass die Fische in dieser „Rinne“ fressen und sich auch aufhalten.  Der weitere Abend verlief sehr ruhig und so dauerte es bis kurz vor Mitternacht  bis sich einer meiner Bissanzeiger das nächste Mal meldete. Der Drill war heftig und mein Gegner schien zu diesem Zeitpunkt ein gewichtiger Schuppenträger zu sein. Allerdings konnte ich den Fisch nicht keschern, kurz vorm Kescher passierte es. Schnurbruch. Mir wurde ganz warm und ich konnte nicht begreifen warum die Schnur nicht hielt.  Eine Zigarette später prüfte ich die Schnur, montierte komplett neu und warf die Rute in der Dunkelheit der Nacht wieder Richtung Spod. Noch ein paar Boilies hinterher und die Welt sollte wieder in Ordnung sein.  Schnell fand ich wieder in den Schlaf, welcher aber nicht von langer dauern sein sollte. Erneut war es die Mittlere Rute welche ich aufnehmen musste und nach einem kurzen Drill hatte ich den nächsten Fisch von etwa 7,6kg in den Händen. Die restlichen Stunden der Nacht durfte ich leider ohne weitere Aufwachphasen verbringen. Sonnenlicht erhellte schon mein Bivvy als ich meine Augen öffnete. Gut geschlafen dachte ich und ging auch direkt zu Walli ans Zelt um zu sehen ob er schon wach ist. Gemeinsam genossen wir ein ausgiebiges Frühstück und dann machten wir uns auf die Ruten einzuholen, die Montagen neu zu beködern sowie unsere Futterplätze mit frischen Leckereien zu bewerfen. Zum Mittagtisch kam auch dann der nächste Flossenträger. Doch auch dieser sollte nicht schwerer sein als 7kg. Nachdem die Rute wieder im Wasser war, setzte ich mich in die Sonne und widmete mich meiner Tacklebox. Zuerst etwas Ordnung geschaffen, dann einige Montagen gebunden und mit Walli über die verschiedensten Hakenformen und Rig`s diskutiert. Mitten im Gespräch störte uns dann plötzlich unerwarteter Weise ein „Vollrun“. Sofort erkannte ich, dieser ist gewichtiger als die bisherigen und nach einigen Fluchten konnte ich den Kescher unter den Karpfen schieben. Die Waage verriet uns 13kg und so sollte ich recht behalten. Dennoch ist nach oben noch einiges offen.  Doch so schnell sollte ich den ganz Dicken nicht auf die Matte bekommen. Denn der folgende Lauf lag wieder wie die ersten Fische auch bei knapp über 7kg.  „ Schick Dein Opa ! „ rief ich dem Fisch hinterher und Walli meinte nur: „Man Sergej, Du hast ja voll die Teenager Session !“. Bis kurz nach Mitternacht sollte er recht behalten und dann leider auch danach, denn der kommende Fisch welcher meine Montage aufnahm brachte es gerade mal auf 2kg. Danach war es wie abgestoppt. Keine Aktivitäten mehr bis zum Morgengrauen. Die Sonne schaute über den Horizont und es wurde langsam hell. Ich wachte auf und war etwas enttäuscht über die ruhige Nacht. So drehte ich mir zu Seite, zog den Schlafsack über den Kopf und wollte noch eine Runde ins Traumland entkommen. In diesem Moment ertönte meine Funkbox neben der Liege. Es war die rechte Rute. Der Drill fühlte sich ähnlich an wie die bisherigen und ich war überrascht als der Fisch etwas mehr als 9kg auf die Waage brachte. Hätte ich zu Beginn nicht gedacht. Wir hatten den Fisch gerade zurück ins Wasser gelassen als die nächste Rute abpfiff. Die Mittlere sollte es wieder sein und das Gewicht des Fisches war mit 8kg leider noch immer nicht der erhoffte Brocken. Kurz gefolgt von einem weiteren mit 8,3kg. Die Rute lag vielleicht 10 Minuten am Spod. Die Fische waren also da, und das Futter wohl recht attraktiv für die Seebewohner. So hoffte ich weiter auf einen der Dicken Fische. Es ging dann fast Schlag auf Schlag. Denn der nächste Fisch gönnte mir zwischen Swinger einhängen, Schnurspannen und Vollrun nicht einmal eine Zigarettenlänge. Die Waage blieb kurz vor 10kg stehen. Mittlerweile gab ich die Hoffnung auf einen Fisch über 15kg auf und dachte mir: "OK, dann eben Durch angeln bis der Arzt kommt !".  Der nächste Fisch besuchte meine Matte nach dem Mittagessen. Fast immer zu den gleichen Zeiten, wie ich zu diesem Zeitpunkt erst realisierte und mit 9,4kg genau in der „Zielgruppengewichtsklasse“ dieser Session.  Dann war wieder Stille. Bis 01:30 am nächsten Morgen. Und dieser war auch immerhin mit seinen 12kg etwas schwerer als seine Vorgänger. Und wie sollte es anders sein, lief die nächste Rute mit nur wenig zeitlichem Abstand und ein weitere Fisch mit knapp 8kg fand sich nach einem kurzen Drill in meinem Kescher wieder. Am nächsten morgen stand leider der Abbau auf dem Programm. Natürlich zuletzt die Ruten, und so konnte ich kurz vor der Heimfahrt noch einmal meine Matte nass machen und einen 9kg Fisch in die Kamera halten.

Zufrieden über die Anzahl der Fische, die reibungslose An- und Abreise sowie das freundliche Team des Etang de Guermouche traten wir die Heimreise an. Und eines ist sicher, dieser See hat einen neuen Freund gefunden, und für mich stand fest, dass ich hierher zurück komme.

TIGHTLINES !

Sergej

TEAM PFALZCARP