DOMINIK weber:  DAS BESTE KOMMT ZUM SCHLUSS

 

Dominik Weber: Das Beste kommt zum Schluss                                            (Winter 2010)

Nach einer langen harten Zeit, mit viel Arbeit und sehr wenig Zeit zum fischen habe ich zusammen mit Tobias endlich den größten Teil unserer Baustellen abgearbeitet. Und so beschließen wir einen 3 Tagestrip nach Frankreich zu unternehmen. Die Wetterprognosen verheißen nichts Gutes, von Sturmwarnung lesen wir auf diversen Wetter Webseiten und es werden Windgeschwindigkeiten von mehr als 90 km/h angekündigt. Trotz der schlechten Aussichten lassen wir uns nicht davon abbringen und können es kaum erwarten endlich wieder an einem See zu sitzen. Noch am selben Abend bereitete ich alles vor, das gesamte Tackle wurde zum wiederholten Male überprüft und nachgesehen. Nur eines konnte mich an einer vorzeitigen Abfahrt abhalten, meine Freundin ;-)

 Am nächsten Morgen gegen halb sieben steht Tobias vor meiner Haustür, eigentlich wie jeden Morgen nur das unser Firmenbus heute nicht mit Werkzeug beladen ist sondern mit unserem Tackle. Schnell sind auch meine Sachen verladen und es kann endlich losgehen. Nach 1,5 Stunden Fahrt sind wir endlich angekommen. Unsere favorisierten Plätze sind glücklicherweise frei und so errichten wir unsere Camps in einem Abstand von ca. 250m zueinander. Die ausgewählten Stellen ermöglichen unterschiedliche Herangehensweisen. Tobias wird versuchen, den Karpfen in den tieferen Stellen des Sees auf die Schuppen zu rücken. Ich bin mir nicht sicher, ob die Fische schon komplett in den tieferen Bereichen sind und fische daher an einer Stelle, welche flach ist und langsam ins tiefere Wasser führt. In etwa 25 Meter Entfernung vor meinem Ufer finde ich eine steile Kante die parallel zum Ufer von 1,5 auf 2,4 Metern abfällt, genau das, was ich gesucht habe, um die noch flach fressenden Karpfen noch abzufangen. Schnell sind dort ein paar Futterschaufeln meiner favorisierten Rubby-Dubby Boilies von Carpodrom verteilt. In 80 Metern Entfernung entdecke ich mit der Lotrute ein kleines Plateau, das mir erfolgsversprechend erscheint. Eine Unterbrechung der tristen Unterwasserlandschaft ist meistens ein Hot Spot, deshalb bombadiere ich im wahrsten Sinne des Wortes den Spot mit ein paar Spomb-Ladungen, gefüllt mit ganzen Scopa-Cabana Boilies in verschiedenen Durchmessern sowie einige zerdrückte Boilies, die noch schneller Ihr Aroma in der Umgebung für Lockwirkung sorgen sollen. Aufgrund der nahezu perfekten Flugbahn der Spomb, kann ich auch in großen Entfernungen punktgenau ein tolles Buffet kreieren, als ob es vor meinen eigenen Füßen wäre. Noch bevor wir richtig zum gemütlichen Teil der Session kamen, heulte die Sounderbox von Tobias bereits auf. Ein Schuppenkarpfen von 38 Pfund war ein toller Start und der Gast zur 1. Fotosession. Der Himmel wird zieht sich langsam zu und die Sonne verschwindet hinter den Wolken. Der Wind wird stetig stärker und es erreicht uns schließlich eine Sturmfront mit heftigen Windböen und Schlagregen. Zurückgezogen in unseren Bivvys warten wir ab und sind sehr gespannt auf das weitere geschehen. Das Wetter war schlecht aber absolut fangverdächtig. Die Spannung, die in der Luft lag, konnte fast mit Messern geschnitten werden und so kam es glücklicherweise auch, wie wir es auch erwartet hatten. Es war kurz vor 22 Uhr als Tobias seinen zweiten Lauf durch seine Funkbox mitgeteilt wurde. Die übliche Prozedur, die wie üblich instinktiv abläuft, nahm seinen Lauf. Rauslaufen, Anschlagen, Kontakt aufnehmen,… der Fisch kämpft, macht viel Druck und der Drill zieht sich. Durch den anhaltenden Sturm und Regen können wir uns kaum verständigen, doch als eingespieltes Team bedarf es nicht vieler Worte. Routiniert und gelassen drillt Tobias den Fisch aus und wir können diesen am Ende nach gefühlten Stunden keschern. Der Spiegler bringt den Zeiger der Waage auf die 33 Pfund Marke. Scheinbar hatte Tobias Recht, dass die Fische bereits tief standen. Sollte ich darauf reagieren, oder sollte ich noch warten? Das ewige Ratespiel, das wohl jeder von Euch kennt. Ich entschloss mich zu warten. Doch jetzt war erst einmal die Trocken- und Aufwärmphase in meinem Zelt genießen. Doch wurde die gerade in mir aufsteigende Wärme wieder unterbrochen, diesmal sogar durch einen heftigen Abzug auf einer meiner Ruten. Knapp 1 Stunde nachdem Tobias seinen zweiten Run hatte, zog meine Rute an der Kante zum Tiefen ab. Meine Freude war groß, da auch ich scheinbar noch Recht behielt mit meiner Vermutung, dass die Fische noch ins flachere Wasser kommen. Ohne meine Regenjacke zu greifen sprinte ich zur Rute und stehe dann mit Jogging Hose und T-Shirt mitten im Sturm und halte eine schön gekrümmte Rute in der Hand. Der Regen und der Sturm peitschen mir ins Gesicht. Tobias kann ich leider nicht erreichen, mein Handy liegt auf meinem Bivvytable und sein Camp ist außerhalb der Rufweite bei dem Wetter. Nach geschlagenen 15 Minuten habe ich den Fisch etwa 5 Meter vor mir. Ich fühle dass es ein Guter sein muss. Bei großen Fischen merkt man keine Hektik im Drill, große Fische ziehen langsam von links nach Rechts Ihre Bahnen. Sie nutzen Ihr volles Gewicht und stellen sich schräg zur Zugrichtung. Endlich habe ich Ihn nahe genug um einen Kescherversuch zu starten. Es gelingt mir auf Anhieb. Ich kann den Kescher unter den großen Leib des Fisches bringen und das Netz anheben. Ein lauter Schrei ertönt und verstummt sofort im Unwetter das über mir tobt. Als ich das erste Mal die Kopflampe auf den Fisch richte kann ich es kaum glauben, ein Full Scalled liegt auf meiner Abhakmatte. Die Waage lässt mich euphorisch werden, 22 Kilo zeigt Sie mir an. Schnell ist der Fisch versorgt und die Rute wieder ausgelegt. Für eine ausschweifende Feier fehlt mir die Kraft. Das Wetter sorgt dafür, dass ich mich wieder schnellstmöglich ins Zelt zurück ziehe. Der Regen prasselt unaufhörlich auf mein Zelt, ich drehe den Kopf zur Seite und schließe meine Augen. So langsam werden meine Füße wieder warm und das nächste was ich höre ist kurz nach 0:30 Uhr dass mein Handy klingelt. Im Schlaf greife ich danach und höre nur Rauschen. „Schuppi, 19 Pfund“ höre ich und erneut lautes Rauschen vom Wind. Tobias hat den nächsten Kandidaten auf seiner Matte. Kein Riese, aber bei dem Wetter ist jeder Fisch eine Bestätigung unseres Handelns. Ich raff mich auf,  ziehe  mich an, und laufe zu seinem Bivvy. Zum Aufwärmen kochen wir uns einen Kaffee und sitzen zusammen. Ich berichte Tobias von meinem Fang und wir puschen uns gegenseitig hoch was wohl noch so kommen wird. Ihr kennt es alle! 2 Dumme, 1 Gedanke, die Fangorgie in unseren Köpfen war unbeschreiblich – Kopfkino…doch plötzlich und wie immer unerwartet schreit meine ATT Funkbox mit voller Kraft, der Ton, der wahrscheinlich auch Tote noch aufstehen läßt. Meine Tasse viel mir aus der Hand und ich lief sofort zu meiner Rute. Der Fisch nimmt völlig unbeeindruckt Schnur von der Rolle und so stieg ich in mein Boot und fuhr dem Fisch hinterher. Nach heftiger Gegenwehr konnte ich irgendwann den Kescher unter den Spiegelkarpfen führen und realisiere erst in diesem Moment, was für gewichtiges Wasserschweinchen ich da scheinbar im Netz habe. Am Ufer verrät mir die Waage ein Gewicht von 21 Kilogramm. Der Spiegler konnte meinem mühevoll mit viel Sorgfalt errichteten Buffet aus dreierlei Scopa Cabana Boilies nicht widerstehen und sorgte somit für entzückende neue Daten in meiner Fangstatistik. Das kurze aber überaus positive Fazit der 1. Nacht: ein toller Start und alle meine Klamotten aufgebraucht. Tobias half mir selbstlos mit einer Hose und einem T-Shirt aus und wir sind dann in unsere Schlafsäcke gekrochen. Doch wieder sollte das nicht lange andauern. Denn gegen 3:30 Uhr vernehme ich einzelne Signale aus meiner Funkbox. Die Funkbox verstummt. Ich schließe die Augen und bevor ich einen Gedanken an etwas verschwenden konnte: VOLLRUN ! Also erneut raus in den Sturm und den Regen. Der „gehakte“ zieht langsam seine Bahnen, immer wieder von links nach rechts, etwa 50m vor mir. Ich lasse meinen Blick am Ufer entlang schweifen und sehe die Kopflampe von Tobias. Auch er wohl hält eine gekrümmte Rute in der Hand. Kurz bevor ich den Fisch vorm Kescher habe legt er noch einmal eine kräftige Flucht hin und reist mir noch einmal einige Meter Schnurr von meiner Rolle. Doch Schließlich gelingt es mir den Fisch zu keschern. Ich wiege Ihn, 21 Kilo, das selben Format wie der vorherige, ein wunderschönes Tier. Diesmal wieder die Rute an der Kante, diesmal wieder die glückbringenden Rubby-Dubby´s und zwar als Pop-Up angeboten. Die sind neu, die habe ich das erste Mal eingesetzt, Bewährungsprobe mit Bravour bestanden. Das war die letzte Aktion dieser Nacht. Am nächsten Tag, kurz vor Mittag stößt mein Kumpel Frank zu uns. Nachdem ich Ihm alles erzählt habe, übergebe ich Ihm meinen linken Spot auf den ich die letzten 2 Vierziger gefangen habe. Wir befüttern den Spot noch einmal kräftig mit Rubby-Dubby Boilies und legen seine Ruten darauf ab. Auch hier kommt die Spomb wieder zum Einsatz und es werden zerstoßene Boilies damit punktgenau auf den Spot gebracht. Eine echte Erleichterung, ohne Sauerei und ohne das während des Fluges ein Teil der Ladung hinausfällt. Endlich mal wieder eine richtig gute Idee unserer Angelindustrie ! Am Nachmittag bekommt Frank dann auch schon den ersten Hub. Wenn es doch mal immer so leicht gehen würde! Ein 26 Pfund Spiegler leistet uns Besuch. Ich freue mich, dass auch er nun Fische fängt und überhaupt unsere Futtertaktik Erfolge zeigt. Wer behauptet, die große Anzahl von großen Fischen wäre geplant gewesen, der lügt und so freuen wir uns einfach, dass wir wahrscheinlich die Nacht der Nächte erwischt haben. Endlich mal wir ! Langsam trocknen meine Klamotten über der Zeltheizung vor sich hin als Frank am frühen Abend seinen nächsten Abzug bekommt. Der Fisch hat 36 Pfund und erweist  sich als echter Kämpfer. Tobias fängt über den Tag weiterhin an seinem Spot wunderschöne Fische darunter einen sagenhaften 41 Pfund Spiegler. An diesem Abend gehen wir alle früh schlafen, da uns die letzte Nacht noch tief in den Knochen steckt. Kurz vor Mitternacht war es allerdings vorbei mit Augenpflege. Franks Rute läuft ab, der Rubby-Dubby Spot hat erneut zugeschlagen. Wir gehen zusammen aufs Boot und fahren dem Fisch hinterher. Endlich sind wir über dem Fisch, doch dieser sitzt wie ein Sack Beton auf dem Gewässergrund. Frank gewinnt langsam die Oberhand und der Fisch zeigt uns seine Flanke. Als wir den Fisch sehen, stockte uns kurz der Atem: Er ist Schneeweiß. Dann plötzlich eine heftige Flucht, der Albino kämpft und will uns entkommen. Der Fisch kommt wieder ans Boot, jetzt geht alles ganz schnell und das Keschernetz umschließt das Prachtexemplar! Die Kombination von einem 18mm Rubby-Dubby Boilie und einem White Octopus Pop-Up bescherten Frank an diesem Gewässer einen neuen Personalbest von 21,5 Kilogramm und ist ab sofort wahrscheinlich einer seiner Lieblingsköder. Tobias hat auch an diesem Morgen wieder Fische vorzuweisen darunter ein schöner Schuppi von 19 Pfund. Mitten im Abbau läuft meine rechte Rute erneut ab und ich kann einen 21 Pfund Spiegler sicher landen. Wir haben an diesem schönen Gewässer nun eine komplette Saison gefischt. Haben Anfangs schwere Rückschläge einkassieren müssen. Doch wir blieben immer am Ball und ließen nicht locker. Nun bei der letzten Session in diesem Jahr haben wir alles Richtig gemacht, waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort und konnten viele schöne Fische überlisten. Das ist der Lohn für unsere Mühen, die vielen gefahrenen Kilometer und Zeit die wir investiert haben.

Es war das letzte Nachtfischen in diesem Jahr und somit heißt es wie so oft: DAS BESTE KOMMT ZUM SCHLUSS !












































Dominik Weber

TEAM PFALZCARP