DOMINIK WEBER:  DEM WINTER DAVON

DOMINIK - dem Winter davon ... CASSIEN 2010                                   (Februar-März 2010)

Ein eisiger Wind weht durch die Straßen, ich ziehe meine Wollmütze erneut über die Ohren und stelle meinen Kragen meiner dick gepolsterten Winterjacke auf. Was für ein Winter. Überall Schnee und Eis, alle Gewässer sind zugefroren und ich laufe hier wie ein Heimatloser durch die Innenstadt. Die letzte Session liegt schon Wochen zurück. Warum war ich noch mal hier ? Es fällt mir wieder ein als ich am Schaufenster eines Juweliers vorbei laufe, ein Geschenk fehlt mir noch für den morgigen Weihnachtsabend. Also versuche ich zumindest kurzzeitig meine Gedanken auf das Weihnachtsfest zu lenken, doch einfach ist das nicht. Wenige Tage später, nach dem Weihnachtstrubel fasse ich einen Entschluss: Ich muss ans Wasser, und das so schnell wie möglich.

Draußen höre ich Böller und Raketen, gemütlich sitze ich auf meiner Couch, meine liebste im Arm und denke an das nun direkt bevorstehende freudige Ereignis. In dieser Silvesternacht werde ich nicht wie alle anderen das neue Jahr mit Feier beginnen, sondern mit einem schrillen Ton aus meiner Funkbox ! Die 1. Session für 2010 sollte direkt am 01. Januar sein. Direkt am frühen morgen belud ich mein Auto und fuhr an den See. Die Straßen waren teils Spiegelglatt durch den leichten Regen der Silvesternacht und es war sehr gespenstig. Überall sah man die Reste von Böllern, Raketen und Sektflaschen. Kein Mensch ist unterwegs, nur ich. Am See angekommen, ging alles sehr rasch, routinemäßig wurde alles aufgebaut und die Ruten zum Fang präpariert. In der darauffolgenden Nacht lag ich wach auf meiner Liege, die Anspannung war groß, doch innerlich fühlte ich mich auch sehr entspannt, lag ich doch endlich wieder am See und konnte meine „Sucht“ befriedigen. Zufrieden mit Gott und der Welt wurden meine Augen schwer und anscheinend kurz bevor ich einschlief ertönte ein Signal welches mir direkt Gänsehaut verschaffte. Mein V2 Receiver schrie, vibrierend auf dem Bivvytable klapperte mein Handy und der Autoschlüssel und eine Blaue Diode erleuchtete meine Zelt: BISS ! Sofort war ich zur Stelle und bemerkte direkt wie eisig kalt es war, als ich in meiner Jogginghose und T-Shirt die Rute vom Pod nahm und der Drill losging. Nach kurzer Zeit konnte ich den 1. Fisch direkt bei meiner 1. Session im Jahr keschern. Wie ein kleiner Junge freute ich mich über den „Jungspund“ von Schuppi welcher meinem Fruit-Punch Boilie mit einem weissen Pop-Up nicht widerstehen konnte. Erleichtert und zufrieden über den Erfolg legte ich mich wieder auf die Liege. Irgendwann im Morgengrauen, war es wieder da, dieses Geräusch des Funkreceivers mit hellen Tönen und dem geklapperte meines Autoschlüssels durch die Vibration vom Bivvytable. Doch es sollte kein Fisch sein welcher das Signal auslöste. Es war der Winter.

Bedingt durch einen Temperaturabfall von etwa 5 Grad fing der See an langsam zuzufrieren. Der eisige und starke Wind tat sein übriges und so war für mich klar, ich muss die Session abbrechen. Wenn sich weiter Eis bildet sind die Schnüre nicht mehr freizubekommen. Als ich die 2. Rute eingeholt hatte und diese auf dem Pod lag, ging ich zurück ins Zelt, rief Tobias an und ohne ein „Hallo“ oder „Guten Morgen“ sagte ich gerade heraus: „Ich fahr an den Cassien, kommst Du mit ?“. Kurze Stille am Ende der anderen Leitung. „jo, klar“, entgegnete Tobias. „Geil, tschüss, ich melde mich“. Das war auch schon alles. Ich lies den Moment kurz sacken und packte mein Tackle zusammen. Die Tage danach holten wir alle erdenklichen Information über den Cassien ein. Foren, Blogs, Zeitschriften, Bekannte und Freunde wurden regelrecht ausgequetscht auf der Suche nach allen erdenklichen Informationen.

  

(Tobias, ich, 15cm Schnee und ein Auto mit gutem Stauraum)

Die Zeit bis unserem Abfahrtstermin verging wie im Flug, und am Abend des 16. Februars lag viel Schnee auf den Straßen. Tobias fährt vor, steigt aus und begrüßt mich sehr euphorisch. Ohne Zeit zu verlieren packen wir mein Tackle in seinen Transporter, ich verabschiede mich von meiner Freundin und so ging es auch schon kurz vor 23:00 Uhr in Richtung Autobahn. Nach dem Ortsschild zeigt das Navi gute 1000km Wegstrecke an. Unser Plan ist es nur mit Pinkelpausen die gesamte Strecke durchzufahren. Mehrere male wechseln wir uns ab und nach der durchgefahrenen Nacht und etwa 200km vor dem Ziel sprechen wir das 1. Mal darüber, wie Weit es doch von Zu Hause weg ist. Langsam wird es hell und die Landschaft sowie vereinzelte Häuser tauchen neben der Autobahn auf. Kein Schnee, das Thermometer zeigt 7 Grad und das triste Deutschland gerät langsam in Vergessenheit und die steigende Vorfreude auf den 1. Blick auf den See lässt uns munter werden und die Müdigkeit vergessen. Meine Aufzeichnungen und Notizen über den Trip verraten mir, dass es wohl so gegen 09:15 Uhr war, als wir die Brücke zum Cassien überfahren. Wir sind überwältigt von diesem Anblick. Das tief dunkel blaue Wasser strahlt etwas Mystisches, etwas unbeschreibliches aus.

Wir halten auf dem Brückenparkplatz und fallen uns erst einmal in die Arme, Glücksschreie durchbrechen die Stille des Morgens. Wir lassen die Eindrücke sacken und entschliessen uns, uns nach den Karten umzusehen. Leider sind zu dieser Jahreszeit noch alle Bootshäuser geschlossen bzw. haben nur in den Abendstunden geöffnet. Zum Glück finden wir einen kleinen Angelshop in einer Nahe gelegenen Ortschaft und können dort die Karten erwerben. Wir fahren zurück zum See, die Straße am Nordarm entlang bis wir den Rotkelchenplatz sehen können. Doch unsere Tour sollte an der 3. Nordarmspitze beginnen. Am Brückenparkplatz wieder angekommen, bauen wir unsere Boote auf, laden unser Tackle ein und machen uns auf den Weg in Richtung Nordarm.

Langsam fängt es an zu Regnen, der Himmel wird dunkler und das Wetter schlägt um. Also nichts wie volle Kraft Richtung 3. Nordarm Spitze. Von dem Regen mittlerweile gut durchnässt, erblicken wir den von uns favorisierten Platz, langsam kommen wir näher und entdecken dann ein Zelt. Tobias macht den Motor aus und schaut mich an. „Los, ab in den Westarm“, sagte ich und wischte mir den Regen aus dem Gesicht. Kurz  vor Mittag erreichten wir „Petite lie“ im Westarm. Wir und unser Tackle sind zu diesem Zeitpunkt mehr als klitsch nass und so bauten wir rasch unsere Bivvys auf und brachten das Tackle erst einmal ins Trockene. Nach über 10 Stunden Fahrt und mehr als 24 Stunden auf den Beinen werden die Ruten beködert und einfach Richtung Horizont gefeuert, für mehr haben wir keine Kraft mehr. Ich schreibe noch schnell einige Notizen auf und möchte Euch die nun folgenden Tage und Erlebnisse aus meinem Cassien-Tagebuch mitteilen:

Donnerstag 18.02.2010

Am nächsten Morgen nach einem guten Kaffee holen wir die Ruten ein, beködern neu und begeben uns auf Spodsuche. Links von unserem Platz finden wir eine Kante welche von 9m teilweise bis auf 23m abfällt.  Ich bin überzeugt, einen guten Spod gefunden zu haben und so lege ich hier meine 4 Ruten in verschiedenen Tiefen ab. Die Ruten von Tobias legten wir in eine Bucht denn auf diese trafen schon morgens die ersten wärmenden Sonnenstrahlen. Am Nachmittag gehe ich noch einmal mit dem Boot und Echolot auf Spotsuche. Dabei entdecke ich eine Person die vom Boot aus Drillt. Ich wende, um mir das Spektakel von näherem zu betrachten. Leider zieht der Angler einen Brassen aus der Tiefe des Sees herauf. Nach einem kurzem Small Talk stellt sich heraus das es ein Augsburger ist, sein Name ist Christopher. Er sitzt mit seinem Freund Holger auf Mathilde. Nach 1,5 Wochen fischen haben Sie 2 Karpfen und einen Wels verloren und mehrere Brassen gefangen. Nicht die besten Aussichten für unseren Trip.

Am Abend meldet sich meine linke Rute mit ein paar vereinzelten Piepser. Sollte das der 1. Cassien Karpfen sein ? Ich stehe neben dem Pod und starre zwischen Rolle und Bissanzeiger hin und her. Los ! Denke ich. Beiss schon ! Und dann, direkt als der Bissanzeiger das nächste Mal tönt, nehme ich die Rute in die Hand, Anhieb. Ich merke schnell das es sich um einen kleinen Fisch handelt. Eine Rotfeder hat sich an meinem Pop-Up vergriffen. Kurze Zeit später landet Tobias 2 Brassen aus der Bucht. In der Nacht werden wir durch einen heftigen Sturm geweckt. Die Boote werden durch die Wellen immer wieder an das harte Ufer gedrückt. Im strömenden Regen holen wir die Boote aus dem Wasser um schlimmeres zu verhindern. Die Bivvys spannen wir mit zusätzlichen Leinen ab so stark ist der Sturm der über uns tobt. 150 Stundenkilometer waren die Böen stark wie wir später im Radio erfahren. Eine wahre Taufe für uns Neulinge an diesem Gewässer.

Freitag 19.02.2010

An diesem Morgen gegen 11:00 Uhr besserte sich das Wetter etwas, also kümmern wir uns jetzt erst einmal um unsere Ruten. Wir finden noch ein Plateau welches wir an den beiden unteren Kanten auf etwa 9 Metern Tiefe mit 2 Montagen bestücken. Beim Ausfahren der Ruten erkunden wir das Ufer zur rechten Seite von uns. Dort hat sich allerlei "Strandgut" angesammelt der Mistral hat dort alles angespült was nicht Niet und Nagelfest war. Unter anderem finden wir eine Packung Boilies und 2 kleine Boiliesäcke. Wir legen 2 von Tobias Ruten in diesem Uferbereich ab weil dort vermuten dass dort sehr viel natürliche Nahrung angeschwemmt worden sein muss. Leider haben wir an diesem Tag keinen Hub mehr zu verzeichnen uns so lassen wir den Abend mit einem gemütlichen Abendessen ausklingen.

Samstag 20.02.2010 

Kurz nach dem Mittagessen entschließe ich mich trotz stärker werdenden Sturmes eine Rute nach der Kante auf 25 Metern Tiefe abzulegen. Dabei entdecke ich wie vom Westarm heraus ein weises Schlauchboot angetrieben kommt. Ich denke schon das schlimmste, und schau mich überall nach jemanden um der im Wasser schwimmt. Doch ich kann nichts entdecken. Ich versuche sofort das Boot irgendwie abzufangen doch so weiter ich nach draussen komme, desto größer werden die Wellen. Tobias erkennt sofort mein Vorhaben und springt in sein Boot um mir zu helfen. Jedoch sind mir die Wellen und der Wind zu heftig und somit drehe ich um. Mein Rhino kämpft sich Meter für Meter zurück zu Petit lies. Ich schreie Tobias entgegen das er nicht rauskommen soll da seine Batterie schon schwach ist und sein Motor weniger Power hat als meiner, doch er  kann mich nicht hören und fährt einen großen Bogen, um das treibende Schlauchboot abzufangen.

(das „eingefangene“ Boot wieder einsatzbereit)

Tobias bekommt das Boot zu fassen und ist mittlerweile schon bis zur Hälfte der Brücke abgetrieben. Mühseelig kämpft er sich in Höhe der Brücke an unser Ufer. Derweilen stehe ich mit Holger in ständigem Kontakt. Er möchte das Boot an Le Lac abfangen und möchte dass ich Tobias anrufe um Ihm mitzuteilen das er und die Boote an Lac Ler abgeholt werden. Doch Tobias kein Handy dabei. Ich steige also wieder in mein Mission Craft, klemme eine neue 155 ah an und fahre wieder auf den See heraus, endlich bei Ihm angekommen und erleichtert dass alles gut ging hänge ich Ihn an und wir fahren gemeinsam zurück zum Camp. Dort angekommen müssen wir das erlebte erstmal sacken lassen. Nach kurzem Telefonat mit Holger kommt nach einiger Zeit der Besitzer des weisen Zodiac, ein Engländer welcher auf  Kevin Alice fischt vorbei. Sein Name ist John, Er erzählt das sein  Boot von einer Wind Böe hochgehoben wurde, sich überschlug du dann auf seinem Solar World Wide Pod landete. Dieses hat sich in alle Richtungen verbogen und alle Ruten wurden herausgerissen. 1 Rute verfing sich im Boot und wurde mitgeschleift. Leider war die Rute als Tobias das Boot erreichte nicht mehr an Bord und somit auf dem Grund des Cassiens im Westarm versenkt, und das alles 1 Tag bevor der Engländer abreisen wollte. Zu dem sei gesagt das er seid November 2009 am Cassien war. Soviel zu "der Cassien hasst Dich oder er liebt Dich". Mir egal ich fahre tiefer in den Nordarm hinein. Beeindruckt von der Kulisse erreiche ich die Kurve zu Barrage. Dort sieht es herrlich und sehr Karpfen verdächtig aus. Das Wasser dort ist sehr ruhig, aber auch  knapp 40 Meter tief.  


(moven, moven, moven, und dabei immer ...

ein Auge auf dem Echolot)

(Blick übers Pod zum Spod)

Sonntag 21.02.2010

Es ist kurz nach Mittag und unsere Bissanzeiger schweigen immer noch. Es ist Zeit einen neuen Platz aufzusuchen. Kurzerhand packe ich einige Sachen zusammen und Fahre los, um den Nord und Südarm zu erkunden. Kaum bin ich auf dem Wasser sehe ich John Richtung Brücke Moven. Holger fährt mit seinem Boot hinter Ihm. Also fahre ich auch Richtung Brücke um John eine gute Heimreise zu wünschen. Dort angekommen treffe ich auf den Partner des Engländers der schon in der Sonne sitzend mit seinem Tackle auf dem Brückenparkplatz wartet und wie sollte es auch anders sein, ein Bier trinkt. Die beiden möchten abreisen. Nach über 3 Monaten am Cassien haben sie zusammen nicht mehr als 10 Fische gefangen. Ich helfe noch John sein Tackle auszuladen, verabschiede mich und mache mich weiter auf meinen Erkundungstrip. John ruft mir noch nach das ich dort fischen sollte wo lange kein anderer gefischt hat. Ich fahre also unter der Brücke durch in den Nordarm um mich dort umzusehen. Vor der 3. Nordarmspitze treffe ich auf insgesamt 3 Boote. 1 Boot gehört 2 Deutschen die von Münster kommen und seit Donnerstag an der 3. Nordarmspitze fischen. Leider wussten sie nicht dass der Platz schon am Mittwoch von jemand anderem befischt wurde. Die anderen beiden Boote gehören auch 2 Landsmänner die gerade vom Rotkehlchen Platz kommen. Sie haben dort einen Fisch mit 31 Pfund landen können. Sie sind leider sehr kurz angebunden und schimpfen über die schlechten Bedingungen, das wechselhafte Wetter und die niedrigen Temperaturen. Sie möchten an einen anderen See ganz in der Nähe. Die beiden aus Münster haben jede Menge Brassen gefangen und einen Wels verloren. Tolle Aussichten im Nordarm. Ich lege am Sonnenplatz an und genieße für 5 Minuten dieses Ambiente in absoluter Stille. Ich greife nach meinem Handy und informiere Tobias. Die Entscheidung steht, wir werden moven. Bis ich zurück am Camp bin hat Tobias schon einen Großteil das Tackles zusammen gebaut. Wir beladen kurze Zeit später die Boote und fahren los und erreichen am Abend den Sonnenplatz. Als erstes legen wir unsere Ruten aus um dann das Camp zu errichten. Tobias fischt nach Rechts auf Table zu und ich nach links an die Kette vom Barrage. Nach diesem ereignisreichen Tag schlafen ziehen wir uns schon früh auf unsere Liegen zurück.

Montag 22.02.2010 

Montag Morgen, Tobias Bissanzeiger gibt Töne von sich.......Langsam entsteht ein Dauerton. Wie aus der Pistole geschossen schlägt er an. Sekunden später sind wir im Boot und fahren über den Fisch. Tobias Rute verneigt sich bis zum Handteil, wir könne kaum atmen vor Aufregung. Das Boot dreht sich durch den Fisch nach rechts. Plötzlich schnellt die Rutenspitze nach oben. Tobias kurbelt doch der Kontakt zum Fisch ist weg. Er setzt sich und wir beide sind wie eingefroren, keiner sagt was. 5 Sekunden später ertönt ein lauter schrei über den Cassien den man bestimmt noch am Ende des Südarms hören konnte "Schei...." Ich beruhige Ihn und wir fahren zurück. Am Ufer angekommen beködert Tobias sofort wieder seine Rute und wir legen Sie wieder genau auf den alten Spod. Nach dem Mittagessen fahre ich erneut auf Spodsuche, ich werde unruhig und kann es nicht mehr erwarten endlich einen Fisch zu keschern. Die Kette welche das Schongebiet vor der Barrage markiert sieht mir sehr interessant aus. Auf der linken Seite fällt das Ufer sehr steil auf bis zu 40 Metern ab. Ziemlich nah am Ufer finde ich einen riesigen Stein der noch gerade so im Sonnenlicht mit der Poolbrille zu erkennen ist. Die Fische die aus dem Schongebiet kommen müssen, so glaube ich an diesem Eck vorbei um in den Nordarm zu ziehen. Also verteile ich eine Handvoll Fruit Punch sowie Scopa Cabana Boilies auf diesem großen Stein, die restlichen verteile ich die Kante hinunter bis zur Mitte hin auf etwa 23 Meter Tiefe. Meine Montagen bestehen aus gemahlenen Boilies, gepresst in PVA., am Haar biete ich beide Geschmacksrichtungen als Schneemann an. Mit dieser Kombi habe ich den 1. Fisch dieses Jahres gefangen und damit will ich nun auch den 1. Cassienfisch überlisten. In verschiedenen Tiefen abgelegte Rig`s sollten nun zum Erfolg führen.


(links: meine Köderkombination an Land, rechts am Spod)

Der restliche Abend verläuft leider ohne Hub. Jedoch verbessert sich das Wetter immer mehr und wir sitzen am Abend in kurzen Hosen vor unseren Bivvys.

Dienstag 23.02.2010

Um 5:30 ertönt mein Wecker, ich schaue nach draußen und in der Morgen Dämmerung erkenne ich das es sehr Neblig ist. Wieder kein Fisch diese Nacht, enttäuscht drehe ich mich noch einmal kurz um und eine gefühlte Halbe Stunde später wird es langsam hell und man sieht keine 2 Meter weit so dicht ist der Nebel. Am Abend zuvor sind unsere Handy Akkus leider Zuneige gegangen und unsere Bootsbatterien machen langsam aber sicher die Nasen lang. Ich brach dann auf um zu Lac Ler zum Batterien aufladen und danach zum Einkaufen zu fahren. Dies kostet dort pro Batterie 2 € , ein super Service und Preis wie ich finde. Auf dem Weg zum Einkaufen nehme ich noch Holger mit, der auch grade zum Einkaufen wollte. Holger zeigt mir bei dieser Gelegenheit wo man was am Cassien bekommt. Am Nachmittag zieht sich der Himmel wieder langsam zu und eine dunkle Regenfront zieht über den Cassien. Schnell laden wir den Einkauf aus und ziehen uns in mein Bivvy zurück. Gegen 22:00 Uhr beginnt Tobias Bissanzeiger langsam Töne von sich zu geben. Tobias schlägt an und hat sofort Kontakt zum Fisch. Zu dieser Zeit bin ich schon im Boot und habe den Motor angemacht. Sekunden später fahren wir dem Fisch entgegen. An dieser Kante wo Tobias fischte ist es ca. 16 Meter tief. Tobias drillt von der Spitze meines Bootes, erkennt aber schnell das, dass kein großer Fisch sein kann. Nach 3 Minuten kommt eine große Brasse aus der Pech schwarzen Tiefe zum Vorschein. Enttäuscht fahren wir zurück und legen wieder erneut dort ab.

Mittwoch 24.02.2010

An diesem Morgen Frühstücken wir erst einmal ausgiebig, der Einkauf hat sich gelohnt. Schade dass wir in Deutschland nicht solche Baguetts und Käse haben wie in Südfrankreich. Das Wetter hat sich wieder gebessert die Sonne blitz durch den leicht bewölkten Himmel, wir kontrollieren die Ruten und legen sie wieder genau auf die selben Spods. Chris ruft an dass im Südarm 2 Österreicher in der letzten Nacht einen 20 Pfünder gelandet hätten. Tobias und ich entscheiden uns erst noch einen Tag und eine Nacht abzuwarten bevor wir an Neue Ufer aufbrechen würden. Leider vergeht der Tag wieder ohne Hub und so beschließen wir spät am Abend uns zu trennen um getrennt voneinander nach den Fischen zu suchen.

Donnerstag 25.02.2010

Nach einer leider sehr ruhigen Nacht meldet sich Chris, er hat in der Nacht einen 10 Pfünder und einen 38 Pfünder gefangen. Holger hat einen 15 Pfünder gefangen und einen weiteren Fisch verloren. Somit ist unsere Entscheidung noch mehr gestärkt und so packen wir um 9:00 Uhr unser Tackle zusammen und fahren in den Nordarm. Zu unserem erstaunen ist zwischen der 3. und der 4. Nordarm spitze ein großes Camp aufgebaut 5 Bivvies stehen dort, 3 Boote und Ruten in alle Richtungen sind ausgelegt. Tobias entscheidet sich es an der Brücke zu versuchen. Wir verabschieden uns und ich fahre weiter in den Westarm. Ich will rechts neben der Ruderschule aufbauen, 3 Nächte möchte ich dort fischen um zu sehen was passiert. Schnell ist alles aufgebaut und ich lege sorgsam Rute für Rute ab. Ich fische 2 nach links ans Ufer und 2 leicht schräg nach rechts in 5 und 8,5 Metern Tiefe. Am Abend fahre ich mit Chris zu Holger und feiern die Deutsche Übernahme von Kevin Ellis und der Ruderschule. Der Cassien ist in Deutscher Hand ;-)

Freitag 26.02.2010

Die Nacht verlief leider wieder zu ruhig. Chris und ich beködern unsere Ruten neu, er zeigt mir bei der Gelegenheit wo die "Hot Spods" von Kevin Ellis sind und wie man Sie befischt, was ich als sehr freundschaftlich empfand. Vielen Dank an dieser Stelle für den Einblick den er mir gewährte. Den Nachmittag verbringen wir bei mir am Camp, jedoch ohne nennenswerten Aktionen verbuchen zu können.

Samstag 27.02.2010

Am Morgen liegt wieder Nebel über dem Cassien, die Luft knistert, man sieht Hechte Rauben und ich erwarte sehr zuversichtlich jeden Moment einen Biss. Es fühlte sich an als würde Aktion in der Luft liegen. Bis kurz vor Mittag verharre ich auf meinem Chair vorm Bivvy und beobachte mit meinem Fernglas die Wasseroberfläche nach rollenden Karpfen. Chris sitzt neben mir und genießt diese Atemberaubende Spannung das jeden Moment eine Rute ablaufen kann. Jedoch geschieht nichts. Nach dem Mittagessen muss Chris einige Besorgungen machen. Er zeigt mir American Beach und 2 kleine Brücken im Hintersten Eck vom Westarm. Dort sehen wir im Karpfen, viele Karpfen die sich dort in der Sonne baden. Ein Mega Anblick. Zurück im Camp klingelt plötzlich mein Handy, es ist Tobias, er fragt mich ob ich kommen könnte um Bilder zu machen.

Ich kann es erst nicht glauben, doch in solchen Sachen scherzt Tobias eigentlich nicht. Er schätzt den Fisch auf über 25 kg. Chris und ich sind komplett aus dem Häuschen. Wir machen uns sofort auf ans andere Ufer  wo uns Tobias 5 Minuten später abholt. Er steht total neben sich und realisiert erst gar nicht was da eben geschehen ist. Am Brückenplatz angekommen kümmern wir uns direkt um den Fisch. Als wir den Fisch wiegen bleibt die Waage bei 27,5kg stehen. Chris vermutet, dass es sich um Bernadette handeln könnte. Nach der Foto Session sehen wir uns ein Video auf dem Handy von Chris an. Die Fische sehen sich sehr ähnlich, jedoch irritiert uns das "niedrige" Gewicht. Sofort werden Nachrichten und Anrufe getätigt, Torsten habe ich gerade zu Hause überrascht mit der freudigen Nachricht: 1. Fisch – ein wahrhaft guter Fang ! Langsam realisiert auch Tobias was für einen Fisch er gefangen hat und das auch noch zum Einstand an diesem Gewässer. Bernadette Biss am Rande des Brückenplateau auf einen Sea-Fruit Boilie von Carpodrom. An dem Hakenköder selbst sorgte ein gelbes Maisimitat von Enterprise Tackle für zusätzliche Aufmerksamkeit und dies wie man sehen konnte mit Erfolg ! Die Futterstrategie von Tobias war die gleiche wie ich sie auch angewendet hatte, wenige Boilies, visuelle Effekte am Hakenköder, die Neugier des Fisches wecken und zum Biss anregen.



(überlisteter Carp mit 27,5kg, ist es "Bernadette" ?)
die „Fangmontage“ von Tobias ...

... ein Sea-Fruit Boilie von Carpodrom und ein gelbes Maisimitat von Enterprise Tackle
      

Sonntag 28.02.2010

Am nächsten Morgen kommen Freunde von Chris und Holger an, welche Kevin Ellis für die nächsten 10 Wochen übernehmen. Chris macht für die beiden Kevin Ellis frei und fischt mit mir zusammen auf dem Prix Platz gegen über der Brücke. Vielleicht können wir in den letzten Tagen dort noch einen Fisch abpassen. Bestärkt von Tobias Erfolg bliebt ich bei meiner Futterstrategie und blieb zuversichtlich. Wir entscheiden uns mit 6 Ruten die Kante, die links von unserem Ufer in Richtung Brücke verläuft mit unseren Rigs zu bestücken. Wir beginnen bei 3,5 Metern und verteilen unsere Ruten bis auf 10,5 Metern. 2 Ruten ziehen wir an unser linkes Ufer. Am Abend besucht uns noch Tobias, und wir  lassen gemeinsam den Samstag noch einmal Revue passieren und genießen die abendliche Stimmung am Cassien.

Montag 01.03.2010

Leider haben wir an diesem Tag schon morgens aus Deutschland einen Anruf mit einer wenig erfreulichen Nachricht erhalten. Aus beruflichen Gründen müssen wir dringend zurück in die Heimat. Wir müssen unseren Cassien Trip frühzeitig abrechen ! Tobias nimmt die Nachricht verständlicher weise auch nicht mit Begeisterung auf. Da auch Er noch auf einen Fisch für mich gehofft hat. Wir entscheiden uns also am nächsten Morgen zusammen mit Chris und Holger abzureisen. Sofort benachrichtige ich die Heimat. Begeisterung kommt auch hier nicht zurück, wir fahren 3 Tage früher als geplant zurück. Bis auf die Freundin die sich natürlich riesig freut. Super..... Ich setzte alles auf die letzte Nacht, die Hoffnung stirbt zu letzt, wie man sagt. Am letzten Abend bereiten Chris und ich uns zum Abschied ein herrliches Chilli zu welches sich auf dem Weg nach Hause als zu scharf erweisen sollte.

Dienstag 02.03.2010

Gegen 6:00 Uhr stehen Chris und ich nebeneinander und beobachten zum letzten Mal den erwachenden Cassien. Einmalig ist diese Stimmung wenn der Nebel sich langsam lichtet und man erblickt die Wasserfläche die vor einem liegt, man realisiert dann wieder wo man eigentlich ist. Am legendären Lac de Saint Cassien, man erinnert sich an die Mühen die man sich gemacht hat um an diesem Gewässer zu fischen, hunderte Kilometer ist man gefahren und man trotzte Regen und Sturm. Es ist ein Gewässer das mehr zu bieten hat als Große Karpfen. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl das dieses Gewässer ausstrahlt. Der Mythos den man spürt wenn man wie wir zum ersten Mal dieses herrliche Karpfen Mekka befischt. Hunderte haben hier Ihr Glück schon vor uns versucht, mache sehr erfolgreich manche weniger.

Um 7:30 Uhr hieß es Aufbruch. Wir beginnen unser Tackle zusammen zu packen. Erst ganz zum Schluss holen wir die Ruten ein, fast schon in Zeitlupe um vielleicht doch noch in aller letzter Minute einen Fisch zu landen. Doch es sollte nicht sein. Wir beladen die Boote und setzen zu Tobias über. Er hat schon meine Ankunft vorbereitet und hilft mir mein Tackle im Wagen zu verstauen. Kurz vor 10 Uhr haben wir alles verladen und sind bereit diesen wunderschönen Ort zu verlassen. Leider konnte ich dem Cassien keines seiner Geheimnisse entlocken. Alle versuche schlugen fehl. Ein letztes Mal laufe ich zum Ufer, tauche meine Hände in das Glasklare Wasser und verabschiede mich innerlich von diesem See. Eines steht jedoch fest. Uns hat der Lac de Saint Cassien in seinen Bann gezogen. Die Mühen die wir aufgebracht haben wurden trotz weniger Fische mehr als belohnt. Denn dieses Erlebnis mit meinem besten Freund werde ich nie vergessen und für kurze Zeit konnten wir dem Winter in Deutschland entfliehen und uns ganz unserer Leidenschaft widmen. Wir waren noch keine 10km gefahren als Tobias sagte: „Wann fahren wir eigentlich wieder hier her ?“, ich grinste und sagte: „Hoffentlich bald mein Freund, hoffentlich bald !“

Im Nachhinein haben wir natürlich nach Bildern von Bernadette gesucht und festgestellt dass es sich nicht um den bekannten Fisch handelte. Unserer Freude über den Fang tat das keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil, der Fisch scheint noch viel Luft nach oben zu haben und wenn jemand Fangfotos von dem selbigen hat, würden wir uns über ein Foto mit Gewichtsangabe sehr freuen. 

DOMINIK WEBER
TEAM-PFALZCARP