Michael: Glück nach ausschlitzeR

 

Nach mehreren Ansitzen am Fluss, hatten mein Freund und ich uns mal wieder dazu entschieden, eine Session am heimischen See zu starten. Jedoch waren die Bedingungen alles andere als optimal: bewölkter Himmel, Hitze um die 30 Grad und mäßiger Ostwind. Aber wer kennt nicht den Spruch..."wer nicht wagt, der nicht gewinnt".

So zogen wir los ,bauten unsere Spots auf, beköderten unsere Montagen mit hellen Pop Up' s und feuerten diese ca. 80 m Richtung Seemitte. Eine der drei Ruten legte ich im flachen Uferbereich ab...vielleicht macht das ja den Unterschied ? Die Sonne ging so langsam unter und es wurde ruhig am See...kein Karpfen rollen...kein Frosch gequacke..--NIX--Bis 2.30 Uhr... Dann aber: PIIIEEEPPP... FULL RUN !!Also raus aus dem Zelt, rein in die Wathose und fix Kontakt zum Fisch herstellen. Ich setzte den Anhieb und super: "Sitzt" ! Das muss ein guter sein… so um die 30 pfd dachte ich mir, denn es war ein richtig starker Drill mit vielen Fluchten und Manövern.

Der Fisch gab alles was er konnte und setzte auch sein vermutetes Gewicht ein, sodass ich schon innerlich mit dem Gedanken, an eine neue Bestmarke glauben konnte. Doch dann hieß es aufgepasst...der Fisch gab nach und ich konnte ihn endlich hoch pumpen.. jetzt ab in den Kescher und.....pinggg...ausgeschlitzt!! Ich war wie erstarrt. Wir hatten noch nicht mal die Möglichkeit, den Fisch zu sehen und das bereitete uns Kopfschmerzen. Für mich brach meine Karpfenwelt zusammen: Warum war er weg? Was habe ich falsch gemacht? War das vielleicht der Fisch, worauf ich schon so lange gewartet habe und nun ist er weg? Fragen über Fragen und absolute Ratlosigkeit. Ich denke es ist der blanke Horror für jeden Hunter: Man drillt den Fisch perfekt aus,… er liegt schon flach auf der Seite… und ist bereit sich zu ergeben, sich dem Fotoshooting zu stellen und dann verliert man ihn, nicht weil das Vorfach bricht ,sondern weil der Haken ausschlitzt und nicht mehr richtig sitzt. Aber ich denke mit dem Gefühl musste ich nicht nur ich  Erfahrung machen sondern ihr bestimmt auch schon. Mit großer Enttäuschung beköderte ich neu und meine Montage flog wieder auf den Platz. Wieder auf meiner Liege angekommen, machte ich mir die ganze Zeit Gedanken, warum der Haken nicht richtig saß...nicht Scharf genug, falsches Vorfachmaterial sodass der Haken sich nicht richtig drehen konnte, es gibt viele Ursachen ? Doch leider werde es wohl nie erfahren...

So langsam ging die Sonne auf und als ich  rüber zu meinem Angelpartner gehen wollte um frischen Kaffee abzuholen...PIIIEEEPPP...wieder ein FULL RUN.. Dieses Lied des Bissanzeigers steht in meinen persönlichen Charts auf Platz 1.  Diesesmal an der im flachen abgelegten Rute, super ! Nix wie an die Rute...anschlag, und ich dachte mir zum 2ten mal...Sitzt...mit Gedanken an "wie lange noch" und "bloß nicht noch mal dieser Horror"  rief ich meinen Freund herbei, wir zogen unsere Wathosen an und gingen dem Fisch entgegen. Der Drill verlief ähnlich Atemberaubend...mal kamen wilde fluchten, mal wurde es zum mühseligen Pumpen. Oft genug dachte ich mir ,dass ich Ihn jetzt doch endlich mal an die Oberfläche bekomme doch dann explodierte bildlich das Wasser und der Fisch zog wieder mehrere Meter von meiner Rolle. Wieder begann dieses mühseliges heran pumpen… fast monoton , sodass ich in Gedanken immer noch die Bilder des vorigen Verlustes vor mir hatte. Doch dann sahen wir ihn zum ersten mal: Ein wunderschön beschuppter Spiegler, wie wir ihn noch nie zuvor im See gesehen hatten. Ab diesem Augenblick dachte ich mir...egal was passiert.. diesen Fisch verlierst du nicht! Gesagt getan- Ich übte in den fluchten nicht mehr so starken Druck aus, um ihn zu stoppen, sondern ließ ihn mehrmals über die Bremse arbeiten, vorbei ich bei jedem summen der Bremse einen Adrenalin Stoß bekam. Dies ist der Fisch, weshalb ich hier sitze. Das wusste ich jetzt. So langsam wurde er müde und ich lenkte ihn in Richtung Kescherrand. Noch ca 10 Meter, dann ist es soweit und wenn mir auch der gleich ausschlitzt dann bin ich reif, zum Wahnsinn über zu gehen. Doch es verlief alles gut. Nur …noch wenige Zentimeter, ein letztes Klatschen mit der riesigen Flosse und der Spiegler ließ sich in den Kescher gleiten. "Ich hab ihn !" rief mein Freund …und es ist ein guter, ein richtig guter! Dann sahen wir das Ausmaß der Überraschung und wir trauten zuerst unseren Augen nicht. Ein wunderschöner Fisch mit 37  pfd. In mir sprudelte es vor Freude, so dass im ersten Moment der nächtliche Horror schnell vergessen war. Nach ein paar schönen Fotos durfte er wieder zurück ins kühle Nass und für uns endete eine gelungene Session, doch noch mit einem guten Ende, und bis heute, denke ich noch an den verlorenen Fisch: Welche Überraschung dieser Wohl bereit hielt ???!! Bis zum nächsten mal.....

Tight Lines...euer Micha